Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,
mit großer Sorge verfolgen wir, der Rat für Kunst und Kultur Mannheim, der Sportkreis
Mannheim und die LIGA der freien Wohlfahrtspflege in Mannheim, die aktuellen
Diskussionen um etwaige und in Teilen bereits beschlossene Kürzungen im städtischen
Haushalt. Diese betreffen in besonderem Maße die Bereiche Kultur, Sport und soziale
Arbeit, und damit genau jene Säulen, die unsere Stadtgesellschaft tragen, verbinden
und lebendig machen, in dem sie Menschen zusammenbringen, Austausch
ermöglichen und in schweren Zeiten vielleicht auch ein bisschen Hoffnung bringen.
Wir verstehen die Notwendigkeit, auf finanzielle Herausforderungen zu reagieren. Doch
diese Kürzungen machen Mannheim ärmer – ärmer auch an Angeboten für Kinder und
Jugendliche, für Vereine. Der Appell an das Ehrenamt kann das nicht auffangen, denn
schon jetzt ist ein großer Teil der hier geleisteten Arbeit ehrenamtlich oder wird lediglich
mit einer minimalen Aufwandsentschädigung vergütet.
Künstlerinnen und Künstler sind aufgrund der aktuellen Sparzwänge verunsichert, wie
lange sie ihre ohnehin schon prekär bezahlte Arbeit noch ausüben können. Langfristig
werden sie in der aktuellen Debatte mehr oder weniger vergessen, kommen dann aber
früher oder später in den Grundsicherungsbedarf, verlieren ggf. ihren Status in der
Künstlersozialkasse und werden spätesten im Rentenalter und bei einem möglichen
Pflegebedarf Kosten verursachen, die zum derzeitigen Zeitpunkt niemand einplant.
Kürzungen im städtischen Finanzhaushalt treffen die Soziale Arbeit in Mannheim
typischerweise nicht linear, sondern multiplikativ: Wenn niedrigschwellige Beratung,
Jugendhilfe, Quartiersarbeit, Wohnungslosen- und Suchthilfe oder
Integrationsangebote reduziert werden, steigen Folgekosten in teureren Systemen
(Krisenintervention, stationäre Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Polizei/Justiz)
und Problemlagen verfestigen sich. Gleichzeitig gehen präventive Wirkungen verloren,
die gerade in einem vielfältigen, sozialräumlich heterogenen Umfeld zentral sind:
weniger erreichbare Hilfen bedeuten mehr Abbrüche, längere Wartezeiten, höhere
Eskalationsrisiken und sinkendes Vertrauen in öffentliche Infrastruktur. Unter dem
Strich drohen nicht nur mehr soziale Ungleichheit und eine höhere Belastung für
Familien, sondern auch wirtschaftliche Ineffizienz, weil spätere Reparaturmaßnahmen
regelmäßig deutlich kostenintensiver sind als frühzeitige, gut vernetzte Sozialarbeit.
Sport ist für eine immer weniger mobile Gesellschaft sehr wichtig. Mit einem breit
gefächerten Angebot können wir für alle Altersstufen ein präventives Angebot
bereitstellen. Je früher Menschen Sport betreiben, desto günstiger sind die
Voraussetzungen, um länger mobil und vielleicht auch selbstbestimmt leben zu
können.
Unsere Institutionen sind nicht nur Kostenfaktoren, sondern Investitionen in den
Zusammenhalt, in Bildung, Gesundheit und Lebensqualität. Wenn wir jetzt Strukturen
schwächen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, verlieren wir mehr als nur finanzielle
Spielräume. Wir riskieren, dass Menschen arbeitslos werden. Wir erschweren eine
stabile Versorgung mit einer gesellschaftlichen Infrastruktur, die Lebensfreude bietet
und damit auch Mobilisierung und Aktivierung in allen Lebensaltern ermöglicht bzw.
aufrechterhält.
Ein konkretes Beispiel, wie Sport – Kultur – Soziales schon heute auf einzigartige Weise
zusammenwirken:
Mit Musik, Tanz, Lesungen und einem ganz individuellen Angebot für alle können wir z.B.
in Pflegeeinrichtungen sehr viel bewirken und Lebensqualität zurückgewinnen.
Kulturelle Angebote dienen der Aktivierung von Bewohnenden und werden als
Bereicherung empfunden. Durch das Zusammenwirken von Kultur und Sport wird ein
sozialer Impact erzielt – nämlich der Vereinsamung in den Pflegeeinrichtungen
entgegengewirkt.
Deshalb appellieren wir an Sie:
Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen der Verantwortung und Solidarität!
Suchen Sie den Dialog mit den betroffenen Akteurinnen und Akteuren, um tragfähige
Lösungen zu finden, die nicht auf Kosten der sozialen, sportlichen und kulturellen
Infrastruktur gehen!
Wir stehen bereit, uns konstruktiv einzubringen.
Mannheim ist stark, wenn wir zusammenhalten – über alle Bereiche hinweg.
Mit freundlichen Grüßen
für den Rat für Kunst und Kultur Mannheim
Angela Wendt
für Sportkreis Mannheim e.V.
Stefan Höß, Vorsitzender
für Liga der freien Wohlfahrtspflege in Mannheim
Alexander Manz, Vorsitzender


