Nachgefragt - der Sportkreistalk mit Petra Umminger

Als Verdiente Persönlichkeit des Mannheimer Sports wurde im Rahmen der Sportlerehrung der Stadt Mannheim am 27.06.2023 Petra Umminger ausgezeichnet. Sie kann in ihrer sportlichen Biografie auf dreieinhalb Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement zurückblicken, beim Turnen war sie als Kampfrichterin national und international tätig, hatte Leitungsfunktionen im Turngau Mannheim, bei der TG Mannheim, beim Badischen Turnerbund und in der Deutschen Turnliga. Unsere Sportkreisvorsitzende Sabine Hamann hat ihr ganz herzlich zu dieser Auszeichnung gratuliert und bei ihr nachgefragt:

Sportkreis: Du wurdest für dein ehrenamtliches Engagement von der Stadt Mannheim als „Verdiente Persönlichkeit des Sports“ geehrt. Dazu zunächst ganz herzlichen Glückwunsch! Was hat dich an der Übernahme deiner verschiedenen Aufgaben besonders gereizt?

Petra Umminger: Ich stamme aus einer turnbegeisterten Familie. Mein Vater war Turnwart im Verein und unser Trainer. So kam ich nach der aktiven Turnlaufbahn zu meiner Kampfrichterkarriere. Das Erlernen der Symbolschrift habe ich gleich in meiner ersten Kampfrichtertagung in Ringsheim gelernt. Relativ schnell war ich innerhalb der Kampfrichterinnen in Baden etabliert und habe festgestellt, dass mir das Bewerten der Turnübungen Spaß macht.
Als Kampfrichterwartin im Turngau Mannheim habe ich so auch den Kontakt zu den Turnerinnen und Trainern und Trainerinnen im Leistungszentrum bekommen.
Als Kampfrichterwartin im Turngau Mannheim und auch im Badischen Turner-Bund war es mir ein Anliegen, mein Wissen an andere Kampfrichter und Kampfrichterinnen und Turnerinnen, die es werden wollten, weiterzugeben. So hat man auch immer wieder nette Menschen kennengelernt und auch vieles bei den Wettkämpfen und gemeinsamen Aktivitäten erlebt. Mein Betätigungsfeld hat sich dann mit den Jahren auch national und international ausgeweitet und ich habe viele interessante Menschen, Städte und Länder kennengelernt.
Viele meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten haben sich ergeben, andere Aufgaben habe ich gezielt übernommen. Hierbei hat mir auch mein Zeitmanagement und Organisationstalent geholfen.

Sportkreis: Wie haben sich deine Ehrenamtstätigkeiten im Laufe der Jahre verändert?

Petra Umminger: Meine Aufgabenbereiche wurden verantwortungsvoller. Als Kampfrichter- und Kunstturnwartin gab ich mein Wissen an andere Menschen weiter und habe versucht, die Turnerinnen aus Mannheim mit nach vorne zu bringen. Größter Erfolg des Leistungszentrums Mannheim war Elisabeth Seitz, die nicht nur an EM und WM, sondern auch bei Olympischen Spielen erfolgreich teilgenommen hat.
Als Leiterin der Geschäftsstelle der TG Mannheim war ich zu Beginn in erster Linie mit der damaligen Vorsitzenden Hanna Stobbe für den Bau des Leistungszentrums in Mannheim verantwortlich. Schließlich bewarben wir uns als Nachwuchsstützpunkt im Kunstturnen und heute ist das Leistungszentrum ein Bundesstützpunkt.
Als Stellvertretende Vorsitzende im Turngau und später auch als Stellvertretende Vorsitzende, dann Vorsitzende in der Turngemeinschaft Mannheim hatte ich dann auch viele Kontakte mit anderen Funktionären aus den Vereinen im Turngau Mannheim und Dachverbänden. In dieser Zeit erwarb ich auch den Vereinsmanager, der mir bei der Arbeit im Verein sehr hilfreich war. Hier bin ich auch heute noch als Seminarleitung bei den Vereinsmanagerseminaren aktiv.

Sportkreis: Wie bedeutsam ist für dich ehrenamtliches Engagement in unserer Gesellschaft und was gibt es dir ganz persönlich?

Petra Umminger: Mir persönlich ist das ehrenamtliche Engagement sehr wichtig, denn ohne würde es Vieles in unserer heutigen Gesellschaft nicht geben. Viele Vereine leben von ihren Ehrenamtlichen, sei es als Helfer beim Training oder Festen, Übungsleiter, Trainer oder auch die Arbeit im Vorstand ist sehr wichtig. Immer wichtiger sind Netzwerk und Öffentlichkeitsarbeit. Das Vereinsleben bedeutet für mich Gemeinschaft, etwas gemeinsam bewegen und Ziele erreichen wollen.

Sportkreis: Gab es in deiner Zeit als Ehrenamtliche einmal ein ganz besonders skurriles oder lustiges Ereignis?

Petra Umminger: Da gab es zwei Ereignisse ähnlicher Art. Bei einem Bundesligawettkampf löste sich die Verankerung des Stufenbarrens aus dem Boden. Zum Glück ist hier nichts passiert. Die weiteren Wettkämpfe wurden ohne Barren absolviert. Und bei Deutschen Meisterschaften wurde der  Stufenbarren aufgedreht ohne dass die Kette gelöst wurde, so dass sich die Stangen verbogen. Der Wettkampf wurde unterbrochen und nach zwei Stunden, als ein neuer Barren beschafft worden war, konnte es weitergehen.

Sportkreis: Was würdest du  aktuell als die größte Herausforderung für das Turnen im Besonderen und den Vereinssport insgesamt bezeichnen?

Petra Umminger: Das Freizeitverhalten von Kindern, Jugendlichen und Eltern hat sich massiv verändert. Neben dem Sport gibt es ein weiteres vielfältiges Angebot auch an Kunst und Kultur. Die Vereine müssen für ihre Sportarten werben, wenn sie nicht ein Alleinstellungsmerkmal haben. Des Weiteren sind viele Kinder und Eltern auch nicht mehr bereit ihre Freizeit für den Leistungssport zu opfern. Im Breitensport wird der Verein oft auch als Aufbewahrungsort angesehen. Die Gemeinschaft im Verein steht meist nicht mehr im Vordergrund, das Miteinander wird weniger.
Auf Funktionärsebene werden Übungsleiter, Trainer und Vorstandschaft immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt: Datenschutz, Fotorecht, Digitalisierung, Medienpräsenz, Auflagen der Behörden bei Veranstaltungen, um nur einige Hürden zu nennen. Das ist sicher alles sehr sinnvoll, bringt aber die Ehrenamtlichen schon an ihre Grenzen.
Auch die administrative Verwaltung hat im Verein zugenommen und auch hier ist es sicher sinnvoll, sich Gedanken über Hauptamtlichkeit zu machen. Dies ist allerdings von den meisten Vereinen finanziell nicht zu leisten.Generell, sei es im Übungsbetrieb oder in der Administration, muss sich der Vereinsvorstand über Professionalisierung und Hauptamt Gedanken machen.
Während Corona war der Sportbetrieb eingeschränkt. Die Vereine mussten kreativ werden. Einige haben das mit großem Erfolg geschafft, siehe Zirkus Paletti mit seinem „Drive In“. Andere hatten mit der Umsetzung und Digitalisierung Probleme und der Mitgliederschwund war in vielen Vereinen mehr oder weniger spürbar. Dies hat sich aktuell bei vielen wieder relativiert.Corona hat auch bewirkt, dass viele Kinder nicht mehr die vielfältigen Möglichkeiten der Bewegung hatten. Dies wird am Deutlichsten im Bereich Schwimmen. Hier ist der Nachholbedarf am Eklatantesten.

Sportkreis: Wenn Eltern für ihre Kinder einen passenden Turnverein suchen, stehen sie vor einem breiten Angebot. Woran erkennt man denn einen guten Turnverein für Kinder und Jugendliche?

Petra Umminger: Die Frage ist so nicht zu beantworten. Es gibt keinen guten oder schlechten Turnverein. Es gibt Einsparten- und Mehrspartenvereine - Vereine, die sich mehr auf den Breitensport oder Leistungssport orientieren. Wichtig für mich wären Übungsleiter und Trainer mit Lizenz sowie optimale Trainingsstätten und gute Erreichbarkeit.

Sportkreis: Du warst viele Jahre im Turn-Kampfrichterwesen tätig. Manche Menschen sagen, es sei sehr subjektiv, was die Kampfrichter entscheiden. Siehst du das auch so?

Petra Umminger: Im Kunstturnen gibt es wie in der Rhythmischen Sportgymnastik oder auch beim Eiskunstlauf ein Regelwerk, das die Kampfrichter und Kampfrichterinnen erlernen, eine Prüfung absolvieren und nach dem objektiv zu bewerten ist. Das Regelwerk ist für Außenstehende kompliziert und ich denke, aus diesem Grunde wird solchen Sportarten Subjektivität unterstellt. Es ist einfacher die Zeit bei einem Lauf zu messen oder die Weite bei einem Sprung oder Wurf.

Sportkreis: Du hattest im Vorbereitungs- und Organisationsteam für das 150. Jubiläum des Turngau Mannheim eine wichtige Rolle. Hier wurden die Weinheimer Thesen aufgestellt und eine davon heißt: „Wenn die Turnvereine der Kitt der Gesellschaft bleiben sollen, dann muss die Politik uns dafür aber auch die Rahmenbedingungen erhalten bzw. wieder ermöglichen.“ Wie sehen nach deiner Einschätzung die Rahmenbedingungen für gelingenden Turnvereinssport aus?

Petra Umminger:
Mehr Geld für Kooperation Schule/Verein
: Die Vereine müssen in die Schulen, um das breite Angebot des Sports zeigen und vermitteln zu können. Dies ist mit Ehrenamtlichen nicht zu leisten. Da sollten Hauptamtliche das Ehrenamt unterstützen. Dies können sich die meisten Vereine allerdings nicht leisten. 
Schule – Verein: Wichtig ist, dass Kinder im Rahmen des Ganztagesaubaues ihre Sportart und ihren Verein frei wählen können.
Sportstätten: Die Stadt soll ihrem Anspruch als „Sportstadt“ gerecht werden und die Sanierung und Neubauten von Sportstätten vorantreiben. Hilfreich wäre eine Erleichterung der Belegung von städt. Hallenzeiten. Vor allem dürfen Sportstätten nicht immer wieder wegen eventueller Belegung durch Flüchtlinge für Sporttreibende blockiert werden.
Stärkung des Ehrenamtes:Engagement im Verein ist wichtig. Wer sich ehrenamtlich engagiert, übernimmt Verantwortung, erwirbt die sogenannten „soft skills“ und erlernt organisatorisches Geschick. Darin liegt ein Gewinn. Arbeitgeber sollten ermutigt werden, das Engagement, der bei ihnen tätigen Engagierten, großzügig zu unterstützen und eine Freistellung für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Verein zu gewähren.
Akzeptanz: Der Vereinssport braucht dringend eine höhere Akzeptanz in der Politik und Gesellschaft. Neben den Sportangeboten bieten Vereine gesellschaftliche Kontakte, Geselligkeit und Persönlichkeitsentwicklung.


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(c) Stadt Mannheim, Andreas Henn

(c) Stadt Mannheim, Andreas Henn

Beim Gauturntag 2020 gemeinsam mit Joachim Fichtner

Mit Maskottchen Carlo von der Kindersportwoche der Sportkreisjugend Mannheim

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