Vereine bewegen sich

Als am 6.5.2020 Ministerpräsident Winfried Kretschmann seinen Fahrplan zum Ausstieg aus den Corona-Beschränkungen verkündete, ging ein Aufatmen durchs Land, denn es wurde den Sporttreibenden und Vereinsverantwortlichen deutlich, dass nach langen Wochen endlich der Sportbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

Vereine dürfen sich wieder bewegen - aber Vereine müssen sich nun auch bewegen.

Denn schnell war klar, dass eine Wiederaufnahme des Vereinslebens wie in den Vor-Corona-Zeiten auf längere Zeit nicht möglich ist. Vereine müssen sich aufgrund der notwendigen Auflagen zum Gesundheitsschutz von bisher Bekanntem und Tradiertem abwenden, über Neu-Konzeption von Trainingseinheiten nachdenken und das Vereinsleben weitreichend umgestalten. Klar war und ist auch, dass die Entscheidungen über die konkreten nächsten Schritte in den Vereinen vor Ort gefällt werden müssen - zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen, als dass ein vorgegebenes Muster für alle Vereine passen würde. Klar ist aber auch, dass die Vereine nur auf der Grundlage verbindlicher Vorgaben agieren können:

Leitend für alle nächsten Schritte ist die Rechtsverordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus:

  • Während der gesamten Trainings- und Übungseinheiten muss ein Abstand von mindestens eineinhalb Metern zwischen sämtlichen anwesenden Personen durchgängig eingehalten werden; ein Training von Sport- und Spielsituationen, in denen ein direkter körperlicher Kontakt erforderlich oder möglich ist, ist untersagt.
  • Trainings- und Übungseinheiten dürfen ausschließlich individuell oder in Gruppen von maximal fünf Personen erfolgen; bei größeren Trainingsflächen wie etwa Fußballfeldern, Golfplätzen oder Leichtathletikanlagen ist jeweils eine Trainings- und Übungsgruppe von maximal fünf Personen pro Trainingsfläche von 1000 Quadratmetern zulässig.
  • Die benutzten Sport- und Trainingsgeräte müssen nach der Benutzung sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden.
  • Kontakte außerhalb der Trainings- und Übungszeiten sind auf ein Mindestmaß zu beschränken, dabei ist die Einhaltung eines Sicherheitsabstands von mindestens eineinhalb Metern zu gewährleisten; falls Toiletten die Einhaltung dieses Sicherheitsabstands nicht zulassen, sind sie zeitlich versetzt zu betreten und zu verlassen.
  • Die Sportlerinnen und Sportler müssen sich bereits außerhalb der Sportanlage umziehen; Umkleiden und Sanitätsräume, insbesondere Duschräume, bleiben mit Ausnahme der Toiletten geschlossen.
  • In den Toiletten ist ein Hinweis auf gründliches Händewaschen anzubringen; es ist darauf zu achten, dass ausreichend Hygienemittel wie Seife und Einmalhandtücher zu Verfügung stehen; sofern diese nicht gewährleistet sind, müssen Handdesinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden.
  • Für jede Trainings- und Übungseinheit ist eine verantwortliche Person benannt und alle teilnehmenden Sportler sind in einer Liste dokumentiert. Ausgeschlossen vom Training sind Personen, die in Kontakt zu einer infizierten Person stehen oder in den vergangenen 14 Tagen standen oder die Symptome eines Atemwegsinfekts oder erhöhte Temperatur aufweisen.

Konkrete Hinweise zur möglichen Umsetzung geben darüber hinaus die Sportartspezifischen Übergangsregeln der Spitzensportverbände.

Wichtig ist dabei, aber auch weg von den bisherigen tradierten sportartspezifischen Trainingseinheiten zu denken und hin zu Bewegungsangeboten für alle Vereinsmitglieder zu kommen. Ein Blick in die Ausarbeitungen der Verbände gibt sicherlich auch für die Mehrspartenvereine gute Anregungen, den je eigenen Weg zu finden. Der DFB beispielsweise hat den Leitfaden Zurück auf den Platz vorgestellt, der Ideengeber für Bewegungsangebote und Vereinsorganisation auch über den Fußball hinaus sein kann.
Für den Sport für Menschen mit geistiger Behinderung hat Special Olympics Deutschland (SOD) Praxisanregungen für Einrichtungen und Sporttreibende formuliert, die ebenfalls Hilfe und Orientierung in der Corona-Krise geben.

Die Verordnung des Kultusministeriums und des Sozialministeriums über Sportstätten regelt den Betrieb von Freiluftsportanlagen zu Trainings- und Übungszwecken. Bindend für die Wiederaufnahme eines Sportangebots im Verein ist die behördliche Vorgabe der Stadt oder Gemeinde, in der sich der Verein befindet. Es muss sichergestellt werden, dass die Wiederaufnahme des Sportbetriebs in der Allgemeinverfügung der jeweiligen Kommune erlaubt ist und welche Bedingungen hierfür gelten. Die Allgemeinverfügung der Stadt Mannheim findet sich hier, Vereine im Rhein-Neckar-Kreis sollten sich für Detailregeln direkt an ihre Kommune wenden.

In einem ersten Schritt sollte ein Verein nun prüfen, welche bisherigen Angebote (ggf. mit geringen Modifikationen) wieder anlaufen können: Tennistraining im Einzel, Jogginggruppen mit gebührendem Abstand, Leichtathletik, Rudertraining im Einer, Golf, Bogenschießen, Ausritte und ähnliches. Zu überlegen wird sein, ob die Teilnehmerzahl limitiert werden muss und dasselbe Angebot ggf. mehrmals pro Woche unterbreitet werden kann.

In einem weiteren Schritt gilt es, Alternativangebote zu entwickeln: Das Ringertraining, Fußballtraining, Schwimmtraining und vieles mehr wird zunächst nicht in der bisherigen Form aufgenommen werden können. Welche Bewegungsangebote könnten für diese Zielgruppen im Außenbereich gemacht werden? Welche Außenbereiche stehen überhaupt zur Verfügung? Wir haben vor kurzem bereits Fragestellungen aufgezeigt, die den Vereinsverantwortlichen hierfür Impulse geben könnten.

Größtmögliche Akzeptanz von inbesondere einschneidenden Vorgaben erreicht man immer durch transparente Kommunikation. Es wird daher von großer Bedeutung sein, den Vereinsmitgliedern die getroffenen Entscheidungen und eingeschlagenen Wege gut und vor allem nachvollziehbar zu erklären. Hilfreich ist es, eine Möglichkeit zu schaffen, wie Mitglieder und Trainer Fragen stellen und ins Gespräch kommen können, bspw. in Form von offenen digitalen Runden im Videoformat. Die Vorgaben und Regeln sollten für alle sichtbar am Sportgelände ausgehängt werden, aber auch in den Medien des Vereins (Website oder social media) veröffentlicht werden.

Abschließend sei noch auf einen Punkt hingewiesen, bei dem sich Vereine sicherlich am allermeisten und auch am schmerzhaftesten bewegen müssen: Die Nutzung des Vereins- oder Sportgeländes ist ausschließlich zu Trainingswecken gestattet. Die An- und Abfahrt sollte möglichst schnell realisiert werden, das Umkleiden geschieht nicht vor Ort und auch das "Zusammensitzen" nach der Trainingseinheit ist (derzeit noch) untersagt. Das, was Sportvereine insbesondere ausmacht und was vor kurzem von DOSB-Präsident Hörmann noch als "soziale Tankstelle" bezeichnet wurde, findet derzeit (noch) nicht statt. In dieser ersten Stufe des Fahrplans geht es um die Wiederaufnahme des reinen Sportbetriebs - das gesellige Miteinander der Vereinsfamilie muss aus Gründen des Gesundheitsschutzes noch ein bisschen warten. Aber wir sind sicher: Es wird die Stärke der Sportfamilie sein, diese Durststrecke zu überstehen und zu gegebener Zeit wieder zu einem geselligen und guten Vereins-Miteinander zurückzukehren.