Wo drückt der Schuh? "Corona-Update"

Bei den Sportkreisen als regionalen Ansprechpartnern vor Ort kamen Ende März und Anfang April zahlreiche Fragen aus der Vereinsbasis zur aktuellen Krisensituation an. Um passgenau informieren zu können und insbesondere auch, um zu ergreifende Maßnahmen und mögliche finanzielle Hilfen zielgerichet einfordern zu können, führte der Sportkreis Mannheim im Zeitraum von 30.03. bis 12.04. eine Online-Vereinsbefragung durch.

Einen Einblick in die von uns gestellten Fragen gibt der Fragebogen im PDF-Format.

Von den 474 zum Sportkreis gehörenden Vereinen nahm rund ein Drittel der Vereine an der Umfrage teil. Es waren darunter sehr kleine Vereine mit 15 Mitgliedern wie auch sehr große Vereine mit 5000 Mitgliedern und sie erstreckten sich über das gesamte Einzugsgebiet des Sportkreises von Weinheim über Mannheim bis Hockenheim und Schwetzingen.

Ein erfreuliches Ergebnis der Befragung war sicherlich, dass es (noch) nicht zu einer großen Zahl von Vereinsaustritten gekommen ist und nur wenige Mitglieder ihre Beiträge bisher einbehielten. Auch das Engagement der Ehrenamtlichen blieb an den meisten Orten als wertvolle Stütze der Vereine bisher fest bestehen.

Nur etwa 20 der befragten Vereine mussten hauptamtliches Personal freistellen, 10 Vereine beantragten Kurzarbeit für die Mitarbeiter.

Sehr viel weniger positive Ergebnisse erbrachte die Frage nach den bisherigen finanziellen Einbußen: Nur 21 der befragten Vereine gaben an, ganz ohne Einbußen zu sein, alle anderen Vereine bezifferten ihre Verluste in unterschiedlicher Höhe. Klar ist, dass es sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zunächst nur um grobe Schätzungen handeln kann und die weitere Entwicklung abzuwarten bleibt. Es ist bei den befragten Vereinen derzeit von geschätzten Einbußen im Laufe des ersten Halbjahres in Höhe von rund einer halben Million Euro auszugehen.

Ganz wichtiger und zentraler Faktor ist dabei der Ausfall des Turnier- und Ligabetriebs. Dieser ist mit großen Einnahmeeinbußen für die Vereine verbunden, da hier mit Ticketverkauf, Startgeld und Essensverkauf wesentliche Einnahmen generiert werden. Fast 100 Vereine gaben an, dass wichtige Events abgesagt werden mussten und die Beispiele hierfür sind vielfältig: Neben nationalen und internationalen Turnieren waren dies Trainingslehrgänge, Camps und Freizeiten, Talentsichtungen, Kurse für neue Vereinsmitglieder, Feiern und Ehrungen für Sportabzeichen, Meister oder Jubilare, Eröffnung von neuem Trainingsgelände, Fight-Day, Landesjugendzirkustreffen und vieles mehr.

Die konkreten finanziellen Auswirkungen können nur fallbezogen bewertet werden und hängen insbesondere von den Angeboten der Vereine ab. Wo im Kurssystem gebucht wird oder Reha-Maßnahmen über Verordnungen abgerechnet werden, sind die Einbußen vergleichsweise deutlich höher, als in Vereinen, die für die Ausübung der Sportart nur ein geringes Equipment benötigen und über Jahresabbuchungen den Beitrag einziehen.

Des Weiteren sind die Auswirkungen auch davon abhängig, ob ein Verein eigene Sportstätten unterhält und in welchem Zustand sich diese befinden. Wenn aktuell Renovierungen oder Reparaturen angestanden hätten, oder gerade durchgeführt worden waren und nun finanziert werden müssen, ist dies schwer zu schultern. Aber auch bei Anmietung von Hallen entstehen dann Probleme, wenn Mietzahlungen nicht erlassen oder wenigstens gestundet werden.

Einnahmeeinbußen können natürlich zuletzt deshalb nur schwer oder gar nicht aufgefangen werden, weil die gemeinnützigen Organisationen (die Sportvereine nun einmal sind) aus steuerrechtlichen Gründen bislang keine nennenswerten Rücklagen bilden durften, so dass wegfallende Ertragsmöglichkeiten nicht aus eigenen Kräften ausgeglichen werden können. 

Ob die entstehende Schieflage zwischen wegbrechenden Einnahmen und weiterlaufenden Ausgaben für den Verein als "existenzgefährdend" eingeschätzt wird, wurde meist in Abhängigkeit davon beurteilt, wie lange der Sportbetrieb noch ruht. Schon heute konnten 10 Vereine dies mit einem uneingeschränkten Ja beantworten, rund ein Drittel der befragten Vereine sieht existenzielle Probleme dann, wenn der Sportbetrieb noch den ganzen Sommer ruht.

Drängendstes Problem ist für fast alle befragten Vereine neben der wirtschaftlichen Situation vor allem die Ungewissheit über die Zukunft und das Ruhen des Sportbetriebs mit allen daraus resultierenden Folgen (Mitgliederschwund, mangelnde Trainingsmöglichkeiten für Leistungssportler, fehlendes soziales Miteinander, usw.).

Neben konkreter finanzieller Unterstützung in Form von Hilfsfonds, Mieterlassungen, Steuerermäßigungen, Aussetzung von Darlehenstilgung und Ähnlichem wünschen sich die Vereine vor allem eine baldmögliche Wiederaufnahme des Sportbetriebs.

Pauschale Verbote sollten dabei zeitnah zugunsten einer differenzierten Betrachtungsweise aufgegeben werden: Bspw. bei Golf, Tennis, im Reitsport, Leichtathletik oder im Rudereiner ist es im Gegensatz zu Mannschaftssportarten vergleichsweise einfach, ein Abstandsgebot einzuhalten. Es sollte darüber hinaus nach Wunsch vieler befragter Vereine zwischen Turnier-/Spielbetrieb und Trainingsbetrieb unterschieden werden: Im Training kann auch bei Mannschaftssportarten ein Abstandsgebot ermöglicht werden.

Circa ein Drittel der Vereine äußerte den Wunsch, dass Sportvereine und Übungsleiter bzw. Trainer zeitnah vom Soforthilfeprogramm des Landes für Selbstständige, Freiberufler und kleine Betriebe profitieren könnten. Ein Förderprogramm für die Existenzsicherung von gemeinnützigen Sportvereinen, wie es bereits angedacht ist, sollte schnellstmöglich umgesetzt werden.

Wichtig ist darüber hinaus fast allen Vereinen, möglichst transparent informiert und beraten zu werden: zum einen in Blick auf mögliche Unterstützungsleistungen und die dafür benötigten Antragstellungen, zum anderen auch bzgl. rechtlicher Fragen rund um das Vereinsleben.

Unser herzlicher Dank gilt allen, die sich die Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben. Die Ergebnisse haben wir dem BSB Nord vorgelegt und von dort ist bereits eine Rückmeldung ins Sportministerium ergangen!