Offener Brief von 570 Sportvereinen und Sportbünden zur Energiekrise

Die Sportvereine leiden unter den hohen Preisen für Energie. In den vergangenen Wochen haben etliche Vereine Post von ihren Energieversorgern bekommen, in denen teils massive Preiserhöhungen für Gas und Strom angekündigt wurden. Besonders für Vereine mit eigenen Hallen, Sportzentren oder Bädern sind die Aussichten mehr als düster. Vermutlich werden noch viele weitere Vereine in den kommenden Wochen gleich lautende Schreiben erhalten. Sie alle stehen vor der einen Frage: Wie sollen das  gemeinnützige Sportvereine bezahlen? Angeichts dieser Entwicklungen haben sich insgesamt 570 Sportvereine und die Sportbünde an die Politik gewandt:
 

Offener Brief der Sportvereine- Energiepreiskrise: Sportvereine brauchen dringend Entlastung

Sehr geehrte Herren Präsidenten,'

in meiner Eigenschaft als Geschäftsführer der SV Böblingen und Vizepräsident des Schwäbischen Turnerbundes sende ich Ihnen diesen Offenen Brief. Dieser ist von 570 baden-württembergischen Sportvereinen und Sportfachverbänden, die damit Ihre Unterstützung zum Ausdruck bringen, gezeichnet worden.
Auch wir im gemeinnützigen Sport hatten im vergangenen Frühjahr gehofft, dass die Preisexplosion an den Energiemärkten nur vorübergehend sein würde. Doch inzwischen ist aus dieser Hoffnung eine Illusion geworden. Ebenso hatten wir Mitte September darauf gehofft, dass Vereine und Verbände ins dritte Entlastungspaket des Bundes aufgenommen werden. Doch auch diese Hoffnung hat sich zerschlagen und ist einer tiefen Enttäuschung gewichen. Wie schon in der Corona-Krise scheint der organisierte Sport, der größte nicht-staatliche Akteur in der Kinder- und Jugendarbeit, bei der Politik mit seinen großen Problemen kein Gehör zu finden.
Unterdessen spitzt sich die Energiepreiskrise bei uns weiter zu. In den vergangenen Wochen haben etliche Vereine Post von ihren Energieversorgern bekommen, in denen teils massive Preiserhöhungen für Gas und Strom angekündigt wurden. Besonders für Vereine mit eigenen Hallen, Sportzentren oder Bädern sind die Aussichten mehr als düster. Vermutlich werden noch viele weitere Vereine in den kommenden Wochen gleich lautende Schreiben erhalten. Sie alle stehen vor der einen Frage: Wie sollen wir das als gemeinnütziger Sportverein bezahlen?
Dass die Lage mancherorts schon dramatisch ist, zeigt das Beispiel eines Vereins aus dem Großraum Stuttgart. Ihm teilten die örtlichen Stadtwerke vor kurzem eine Preiserhöhung von fast 800 Prozent mit. Die jährlichen Kosten für Heizung und Warmwasser in den vereinseigenen Sportanlagen würden dadurch um 300 000 bis 350 000 Euro steigen. Selbst wenn dieser Verein 20 bis 30 Prozent seines Gasverbrauchs einspart, bleibt immer noch eine Kostensteigerung von 500 bis 600 Prozent.
Woher das Geld dafür kommen soll, weiß dort niemand. Eine massive Erhöhung der Mitgliedsbeiträge scheidet aus. Sie würde nicht nur dem sozialen Auftrag der Sportvereine widersprechen, sondern, ungeachtet der steuerrechtlichen Fragestellungen, wahrscheinlich auch
zahlreiche Mitglieder aus dem Verein treiben. Sport und Bewegung würden so in vielen Vereinen zum Luxus – und das kann niemand wollen.
Ebenso bizarr ist die Situation, in die ein anderer Sportverein aus der Region Stuttgart unverschuldet geraten ist. Da kein Energieunternehmen ihm in der derzeit unberechenbaren Lage ein neues Vertragsangebot unterbreiten konnte oder wollte, steht er seit einigen Wochen ohne Stromlieferant da. Nun muss der Verein mit etwa 700 Mitgliedern den Strom direkt am Terminmarkt einkaufen – zu den derzeit extrem hohen Tagespreisen! Die Alternative wäre, das Training und die Spielsaison für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu streichen.
Dies sind zunächst nur zwei Beispiele aus unserem gemeinnützigen Sport in Baden-Württemberg. Weitere zahlreiche Hochrechnungen mit Vervier- und Verfünffachungen der nächstjährigen Energiekosten von Vereinen liegen uns bereits vor. Doch viele Preiserhöhungsschreiben sind noch gar nicht verschickt. Es ist aus unserer Sicht daher nur eine Frage der Zeit, bis der erste Verein zu extremen Maßnahmen greifen und den Betrieb in seinen Anlagen entweder erheblich einschränken oder Hallen und Sportzentren gleich ganz schließen muss – weil Gas und Strom unbezahlbar geworden sind. Welche gesundheitlichen und sozialen, welche gesellschaftlichen und persönlichen Folgen ein solcher „kalter Lockdown“ im organisierten Sport hätte, wissen wir, und Sie sicherlich auch, aus den beiden vergangenen schweren Corona-Jahren nur zu genau. Das darf sich nicht wiederholen!
Aber auch die Vereine ohne eigene Anlagen sind in großer Sorge. Denn die Städte und Gemeinden ächzen genauso unter den Energiekosten für ihre Einrichtungen. Womöglich werden der bereits erfolgten Schließung von einzelnen Bädern erst viele weitere Schwimmhallen und im nächsten Schritt dann die kommunalen Sporthallen folgen. Vereinstraining, Sportunterricht, Schwimmkurse – alles würde dann in einen „kalten Lockdown“ geschickt, bis es wieder bezahlbare Energie gibt. Wann das sein wird, weiß niemand. Und welche Strukturen innerhalb der Vereine bis dahin nachhaltig zerstört sind, weiß ebenso niemand.
Dass der Deutsche Städte- und Gemeindebund dieser Tage nach einer Gas- und Strompreisbremse gerufen hat, unterstützen wir ausdrücklich. Denn derart astronomische Energiepreise sind für kurze Zeit nur schwer und dauerhaft überhaupt nicht zu bezahlen – schon gar nicht von uns gemeinnützigen Sportvereinen. Schließlich dürfen wir weder Gewinne erwirtschaften, noch Rücklagen für schwere Zeiten anhäufen. Zudem sind die wenigen Reserven, über die wir verfügen dürfen, durch die schwere Zeit in den vergangenen beiden Corona-Jahren allmählich aufgebraucht.
Sehr geehrte Herren Präsidenten,
mit Zusammenhalt und Solidarität haben wir die kurzfristigen Folgen der Corona-Zeit gemeinsam bewältigt. Beides brauchen wir auch jetzt in dieser Krise von noch viel größerem Ausmaß. In unseren Sportvereinen wächst die Angst, dass wir dieses Mal nicht nur mit einem blauen Auge davonkommen werden. Daher bitten wir Sie dringend, die Politik im Land, im Bund und auch in Europa aufzurütteln, damit jetzt schon notleidende Vereine schnellstmöglich staatliche Unterstützung erhalten und die Energiepreise für uns alle bald wieder bezahlbar werden. „You’ll never walk alone“ muss auch für den organisierten Sport gelten!

 

Die drei Sportbünde (Badischer Sportbund Nord. Badischer Sportbund Freiburg und der Württembergische Landessportbund) haben auf das Schreiben der Sportvereine reagiert und sich mit einem Schreiben an das Kultusministerium gewendet:
 

Offener Brief von über 550 Sportvereinen zur Energiepreiskrise

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
sehr geehrte Frau Ministerin Schopper,
sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut,

der Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg e.V. hat in einem Brief an Sie, Herr Ministerpräsident Kretschmann, bereits eindringlich auf die schwierige Lage der Sportvereine durch die Energiepreiskrise hingewiesen. Die drei Sportbünde im Land – Badischer Sportbund Freiburg e.V., Badischer Sportbund Nord e.V. und Württembergischer Landessportbund e.V. – haben heute nun einen von über 550 Sportvereinen und weiteren Organisationen aus dem Sport im Land unterzeichneten Offenen Brief erhalten. Mit dessen Weiterleitung an Sie, sehr geehrter Herr Ministerpräsident und sehr geehrte Frau Ministerinnen, kommen wir einer in diesem Brief formulierten Bitte der Verfasser nach und signalisieren damit unsere volle Unterstützung für die Anliegen der unterzeichnenden Sportvereine und Sport-Organisationen.

Es schreiben Ihnen: Gundolf Fleischer
Präsident Badischer
Sportbund Freiburg e.V.

Gert Rudolph
Präsident Badischer
Sportbund Nord e.V.

Andreas Felchle
Präsident Württembergischer
Landessportbund e.V.

Zudem möchten wir Sie mit diesem Schreiben auch auf die schwierige Lage der Sportbünde und Sportfachverbände aufmerksam machen. Ihnen stehen für Sportschulen und verbandsei-gene Liegenschaften sowie Bildungseinrichtungen ebenfalls massive Energiepreissteigerungen ins Haus. Wir möchten Sie daher bitten, diese weitere dramatische Lage bei Ihren politischen Bemühungen zur Entlastung des gemeinnützigen Sports zu berücksichtigen.

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