Was bedeutet der Lockdown für den Vereinssport?

Der neuerliche Lockdown trifft nicht nur den Sport allgemein empfindlich, sondern ganz besonders den Amateursport, die Sportvereine und die Sport treibenden Kinder. Die Vorsitzende des Sportkreises Mannheim Sabine Hamann (SH) sprach darüber mit Wolfgang Neuberth (WN) vom Metropoljournal Rhein-Neckar.

WN: Das Coronavirus und die jüngsten politischen Entscheidungen wirbeln die Amateursportszene durcheinander. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation für den Breitensport ein?

SH: Es gilt, die Pandemie ernst zu nehmen und vorsichtig zu sein, aber andererseits nicht überzureagieren. Wir müssen das Thema sachlich und reflektiert angehen, es weder verharmlosen noch Panik schüren. Klar ist, dass die Gesundheit der Bevölkerung höchste Priorität hat. Gerade deshalb haben die Verantwortlichen in den Vereinen mit riesigem Engagement, hohem Verantwortungsbewußtsein und durchaus auch hohem Kostenaufwand Konzepte entwickelt und umgesetzt. Und dennoch stehen wir nun vor der paradoxen Situation, dass wir, gerade weil wir uns um die Gesundheit sorgen, nun ausgerechnet das Sporttreiben, das gesund und fit erhält, einstellen sollen. Was uns dabei sehr enttäuscht ist die Tatsache, dass die nachweislich erfolgreichen Bemühungen des organisierten Sports bei der jüngsten Entscheidungsfindung keinerlei Berücksichtigung gefunden haben, sondern es zu derart rigiden Beschlüssen gekommen ist. Sportvereinen und -verbänden vor diesem Hintergrund den Sinn und die Wirksamkeit von Regierungsbeschlüssen nachvollziehbar zu vermitteln, ist fast unmöglich. Das bisher überwiegend loyale Handeln könnte nun einer enttäuschten Resignation weichen.

WN: Welche konkreten Maßnahmen halten Sie für angemessen?

SH: Wir Menschen brauchen Bewegung und soziale Kontakte - gerade in der nun dunkler werdenden Jahreszeit. Genau das darf der Vereinssport uns in den nächsten Wochen aber nicht bieten. Dies zu ändern wäre ein erster wichtiger Schritt. Der Berliner Senat hat bspw. entschieden, dass Kinder unter zwölf Jahren auch im November weiterhin draußen trainieren dürfen. Das sollte auch in Baden-Württemberg beispielgebend sein. Wir wollen unseren Beitrag leisten und sehen eine differenzierte Betrachtungsweise für unbedingt erforderlich. Den Sportbetrieb als Ganzes zu stoppen war die Methode der Wahl im Frühjahr. Aber wir haben doch inzwischen gelernt, haben Erkenntnisgewinne erzielt und sollten inzwischen andere Lösungsansätze parat haben als einfach eine neuerliche Schließung. Nicht Schließung kann die Methode der Wahl sein, sondern eine Klarstellung, unter welchen Bedingungen Sport stattfinden kann. Wir wollen mit den Hygienekonzepten überzeugen, die wir in den vergangenen Monaten in unseren Vereinen erfolgreich umgesetzt haben. Mit ihnen wollen wir auch weiter darauf hinwirken, dass sich die Pandemie nicht wie befürchtet entwickelt.

WN: Was bedeutet der temporäre Lockdown jetzt für den Sport der Region?

SH: Viele Vereinsvorsitzende fürchten, dass die Bereitschaft, Beiträge zu zahlen, bei Mitgliedern bald nicht mehr vorhanden sein wird, wenn es kein Training mehr gibt. Der zweite Lockdown wird den Sport härter treffen als der erste im Frühjahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie es getan hat! Das hat damit zu tun, dass die Unsicherheit der Menschen wächst. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Menschen in den Vereinen sich nicht ernst genommen fühlen. Sie schienen (oder waren tatsächlich) auf gutem Weg, die Hygienekonzepte wirkten und haben Anerkennung gefunden. Trotzdem hat alles Engagement einen neuerlichen Lockdown nicht verhindert. Vereine können Angebote nun nicht mehr machen. Insbesondere Menschen mit niedrigerem Einkommen werden nicht mehr fortlaufend für nicht existente Angebote zahlen können und aus den Vereinen austreten. Die Vereine haben dadurch und durch abgesagte Wettkämpfe, Events und fehlende Sponsoren weniger Einnahmen, was sie in finanzielle Schieflage bringen kann. Dass die Soforthilfeprogramme des Landes und des Bundes greifen, ist jetzt von essentieller Bedeutung.

WN: Welche Aufgaben haben Sie als Sportkreis, wenn es um das Coronavirus geht?

SH: Viele Vereine verzeichnen in Folge der Coronavirus-Pandemie finanzielle Defizite und bei den Mitgliederzahlen ist ein Negativtrend zu erwarten. Auf Dauer kann man kein System am Leben erhalten, das nicht mehr das ausüben kann, wofür es eigentlich gemacht ist. Unsere Aufgabe als Sportkreis ist es, die Sportvereine einerseits zu beraten, ihnen aber anderseits auch öffentlich eine Stimme zu geben, auf die existenziellen Nöte deutlich hinzuweisen und vor allem für alle Seiten ein kompetenter Gesprächspartner zu sein.  Im Sinne einer schnellen Rückkehr in den Sportbetrieb ist die Einbindung der fachspezifischen Kompetenzen des organisierten Sports in Entscheidungsfindungen unverzichtbar. Gerade jetzt ist es von immenser Bedeutung, mit den Vertretern des Sports in intensiven Austausch zu kommen und den Beteiligten eine klare Perspektive aufzuzeigen. Die tragfähigen Vereinskonzepte vor Ort, die wir zusammentragen, bündeln und weitervermitteln, sollten dabei die Ausgangsbasis für professionelles Krisenmanagement sein.

WN: Was wünschen Sie sich für die kommende Zeit?

SH: Eine zeitnahe Wiedereröffnung des Sportbetriebs ist für die Bevölkerung und insbesondere für die Kinder und Jugendlichen vor dem Hintergrund des gesundheitlichen Aspekts sowie des sozialen Zusammenhalts im Sport von größter Bedeutung! Wir zahlen derzeit einen hohen Preis, wenn bspw. Kinder, die erst vor kurzem die ersten Schwimmzüge gelernt haben, jetzt zu Hause bleiben müssen oder Jugendliche zwar am Vormittag in der Schule auf engem Raum zusammen sind, aber am Nachmittag nicht die Möglichkeit haben, in kleinen Gruppen an der frischen Luft Sport zu treiben. Wir appellieren an die Kommunen sowie die anderen Träger der Sportstätten eindringlich, den Sportlern den Zugang zu den Sportstätten zu ermöglichen und die Sportinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Nichts wäre verheerender als eine Öffnung des Sportbetriebes bei geschlossenen Sportstätten. Die finanzielle Unterstützung unserer Vereine sowie eine zeitnahe Öffnung des organisierten Sports ist gerade jetzt im Herbst und Winter notwendig, um nicht nur Kindern und Jugendlichen, sondern allen Menschen – insbesondere auch den Senioren – in Baden-Württemberg auch weiterhin Zugang zum Vereinssport und damit zur Gesunderhaltung zu ermöglichen.

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